Funsport in  / Funsportcenter in  -

Funsport in  / Sportanlagen in  - Parkour oder die Kunst effektiver Bewegungsformen

Parkour oder die Kunst effektiver Bewegungsformen

Was ist Parkour? Diese Frage stellt man sich als normalsterblicher Sportler natürlich gleich beim Erstkontakt mit der Materie. Le Parkour – l’art du déplacement (dt: die Kunst der Fortbewegung). Wie man an der Übersetzung bereits erkennen kann, handelt es sich um eine – sagen wir mal – Sportart, die auf jeden Fall etwas mit Bewegung zu tun hat. Ursprünglich vor 20 Jahren in Frankreich entstanden, ist sie im Laufe der Zeit und der Globalisierung über die Grenze nach Deutschland geschwappt – oder besser: gesprungen!

Grund für ein mittlerweile enormes Interesse ist ohne Frage das Wertesystem von Parkour (kein Wettkampf, Kreativität, Respekt, Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen) im Verbund mit intensiver sportlicher Betätigung, die eine ganzheitliche Schulung von Körper und Geist im gehobenen Maßstab und auf allen erdenkbaren Schwierigkeits- und Anspruchsniveaus ermöglicht.

Was stellt sich der Laie also unter Parkour vor?

Setzen wir mal voraus, dass sich zumindest herumgesprochen hat, dass neben vielen anderen Youtube-Videos auch der vorletzte James Bond Parkour in höchster Vollendung in seiner Anfangsszene zeigte.
Wer jetzt denkt: „Na ja, das ist was für einen Stuntman, aber niemals für mich“, der irrt an dieser Stelle das erste Mal. Das zweite Mal irrt man, wenn man glaubt, für Parkour müsste man jung und knackig sein, um mit anderen mithalten und sich messen zu können. Es geht nie um das Vergleichen mit anderen oder einen Wettbewerb nach dem Motto „höher, schneller, weiter“ – im Gegenteil!
Höchste Priorität hat das Vermitteln von Werten und der gemeinschaftliche Aspekt. Eine weitere Hauptsäule der Philosophie: Spaß und Freude an freier und natürlicher Bewegung. Niemand verlässt schlecht gelaunt ein Parkour-Seminar oder -training.

Und worum geht es nun wirklich?

Es geht darum, sich die geistigen und körperlichen Voraussetzungen anzueignen, um jegliche Hindernisse, die sich einem in der Umgebung in den Weg stellen, effizient und sicher zu überwinden. Hierbei gibt es keine vorgegebenen Wege, Techniken und Hilfsmittel. Ziel des Parkourtrainings ist es, vor keinem Hindernis Halt machen zu müssen und jederzeit bereit zu sein, Problemsituationen zu meistern. Der Sportler, der Parkour ausübt, wird Traceur genannt.

Wie genau sieht das nun aber im tatsächlichen Training bzw. Life-Test aus?

Hmm…kurz gesagt: Sportklamotten anziehen, die belastbar sind, am besten bequeme Sportschuhe und raus ins Gelände. Danach geht’s über Stock und Stein. Hindernisse, die man sonst nicht beachtet, werden zu Herausforderungen. Man könnte auch sagen, man trifft sich wie früher oft als Kind, um gemeinsam zu bolzen, um verschüttete Bewegungsmuster wiederzufinden, um nach Herzenslust zu krabbeln, klettern, balancieren, springen, rennen etc.

Die Trainingsgruppe versammelt sich schon mal auf ’nem Kinderspielplatz und tritt in Konkurrenz zu Dreijährigen im Erklimmen von Rutschen, Klettergerüsten und Seillabyrinthen. Wie gesagt, alles im Einklang mit den Gegebenheiten und Rücksicht aufs Jungvolk, welches vielleicht auch gleich mal die Rutsche verkehrt herum hochlaufen möchte. Die Parkour-Trainingseinheiten gleichen einem bekannten Werbespruch: „Entdecke die Möglichkeiten“…der Umgebung. Man darf den Rasen nicht betreten? Gut, kein Problem, aber auf der Metalleinfassung des Areals balancieren – das geht. Da – zwei Parkbänke in Reihe geschaltet! Schafft man wohl ’ne Rolle vorwärts unter der Parkbank hindurch, ohne den Boden zu berühren? Danach eine Runde Steigerungsläufe in der Parkanlage. Wir halten an zwei Bäumen an, die recht dicht beieinander stehen. Die Aufgabe, die sich stellt, ist, von einem Baum zum anderen zu springen – klingt komisch – ist aber so. Es geht, man muss sich anfangs überwinden, aber es geht mit einem koordinierten Bewegungsmuster. Jeder etwas Fortgeschrittene hilft den Neulingen an den Baum. So wird nach Erweckung uralter Instinkte jede Menge Adrenalin im Körper freigesetzt und Glückshormone werden im Überfluss ausgeschüttet. Sofern man es denn sicher schafft, von Baum zu Baum zu springen.

Überhaupt wird viel geholfen, gelächelt, die Gemeinsamkeit beschworen und auf vermeintlich Langsamere gewartet. Da durchaus schon mal blind gelaufen wird, ist eine führende Hand gern genommen, das stärkt und vertieft das Vertrauen untereinander. Zudem lassen sich hierbei andere Sinne schulen und in den Vordergrund rücken und das normale Laufen wächst durch die temporäre Blindheit zum ganz besonderen Erlebnis. Viel Laufen ist immer dabei, wobei der Eindruck entsteht, dass eine Mischung aus Sprinter und Marathonläufer hier die beste Wahl vom Vielseitigkeitspotential her wäre. Zusammenfassend kann man sagen, dass es einfach nur toll ist, seine in der Kindheit erworbenen Fähigkeiten wiederzuentdecken und diese mit dem Bewusstsein eines nun Erwachsenen zu erleben.

Zu erwähnen ist es auf jeden Fall: Das Ganze ist anstrengend! Aber genau das will man ja auch, wenn man Sport treibt. Neues erleben und sich dabei auspowern. Man geht an seine Grenzen, aber eben genau an seine eigenen Grenzen. Keiner gibt einem vor, dies oder das machen zu müssen. Es werden lediglich Ideen eingestreut, oft aus der kreativen Gruppendynamik resultierend. Die eigenen Grenzen richtig einschätzen können ist wichtig, damit am Ende nicht mehr wehtut, als der Muskelkater vorgibt.

Das teilnehmende Publikum ist übrigens ebenso abwechslungsreich wie die Varianten eines „Trainingstages“. Von Schüler bis zum alternden Bürohengst, von Dauersportlerin bis unausgelastete Hausfrau ist alles dabei und versteht sich generationenübergreifend erstaunlich gut miteinander. Es macht eben Spaß, im alltäglichen Lebensraum neue Herausforderungen zu entdecken. Also Parkour ausprobieren – günstig, neu, herausfordernd, intensiv, anstrengend, erstaunlich einfach. Es kommt dabei nur auf einen selber an, darauf, mental stärker zu sein, als die innere Couchkartoffel, die einen immer zum TV, PC oder dem heimischen Sitzmöbel drängt … aber du bist stärker!

Jean-Luc Galaxie


…zurück



Wähle Dein Bundesland aus!